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Wettkampfsport  

„Wie eine große Familie“: So entstehen Freundschaften beim PPP

7. Auflage der Weltmeisterschaft ist in Hannover in vollem Gange - Menschen mit unterschiedlichen Geschichten treffen sich und sind im Einsatz.

| TTVN

Judith Kleinebenne (links) und Karo Farys haben sich beim Tischtennis kennengelernt - und nun in Hannover wiedergetroffen. ©Stephan Hartung

Ein Plakat mit einem Slogan - es sieht aus wie in der Fankurve eines Fußballstadions. Doch es handelt sich um einen freundschaftlichen Gruß von zwei Vereinen, und das alles an der Tribünenseite der SwissLife Hall. „Wir sind dabei. PPParkinson WM 2026 Hannover“ steht dort drauf. Aufgeschrieben und gezeichnet von der SG Sendehorst und vom SVD Drensteinfurt. Was dahinter steckt? Auf jeden Fall ganz viel, was auch exemplarisch für die Veranstaltung in der Akademie des Sports in Hannover steht.

Karo Farys ist mit Herbert Steinbrink in Hannover, ihr Vater spielt mit und wird von seiner Tochter als Betreuerin unterstützt. Es ist gerade Spielpause, Karo liefert sich an einem freien Tisch mit Judith Kleinebenne, die wiederum selbst aktiv an der PingPongParkinson Weltmeisterschaft teilnimmt und damit von Parkinson betroffen ist, ein paar Ballwechsel. „Wir haben uns im Sommer kennengelernt“, erzählen beide unisono und nehmen sich in den Arm. Das war bei einem Parkinson-Turnier in Ostwestfalen, seitdem ist eine Freundschaft entstanden.

Entstanden ist auch viel durch Parkinson - durch Auswirkungen im Alltag, aber auch für den Sport auf Vereinsebene. „Mein Vater kann alles allein machen, durch seine Medikamente ist es in Ordnung. Und durch Tischtennis ist vieles besser: Er ist mobiler, seine Hand ist ruhiger und der gesamte Verlauf von Parkinson ist milder geworden“, erzählt Karo Fayrs - und erinnert sich an die Anfänge.

Vor zehn Jahren erhielt ihr Vater die Diagnose. Im Jahr 2021 sah sie einen Beitrag im Fernsehen: Tischtennis hilft bei Parkinson, und in Münster gibt es einen Verein, der Tischtennis anbietet für von Parkinson betroffene Menschen. Von Sendenhorst aus, im Südosten von Münster gelegen, ein Katzensprung. Der Besuch hatte Erfolg - und vor allem: Nachhaltigkeit. Karo Farys fragte bei sich im Ort und in der Umgebung nach - es folgte der Aufbau von vereinsmäßigem Parkinson-Tischtennis auf Grund entsprechender Resonanzen. Mittlerweile gibt es acht Spielerinnen und Spieler bei der SG Sendenhorst und sechs bei der SVD Drensteinfurt - alle sind in Hannover an den Tischen im Einsatz. Ihr Vater hat für das Plakat gesorgt. „Inklusive Betreuern sind wir sogar 25“, sagt Karo Farys.

Bei Judith Kleinebenne wurde im Alter von 40 Jahren Parkinson diagnostiziert. „Die Ärzte haben damals alles untersucht - aber Parkinson ausgeschlossen, weil ich weiblich bin und zudem viel zu jung sei“, sagt die Aktive des SV Etteln, südlich von Paderborn gelegen. Mit heute 52 Jahren gehört sie eindeutig zu den jüngeren Teilnehmenden der PPP-Weltmeisterschaft. Sie lebt mit einem Hirnschrittmacher. „Und damit kann sie völlig normal leben“, sagt Karo Farys - und nimmt ihre Freundin erneut in den Arm. Ohne den Schrittmacher habe sie aber eine gelähmte rechte Körperhälfte, erzählt Judith Kleinebenne, die Tischtennis seit zwei Jahren spielt. „Da hatte ich zum ersten Mal einen Schläger in der Hand - und nun spiele ich meine erste Weltmeisterschaft, bin sogar in allen Konkurrenzen aus der Vorrunde rausgekommen“, wie sie zurecht stolz mitteilt. In Etteln hat sie mittlerweile einen Stützpunkt etabliert, leitete auch einen weiteren in Gütersloh. „Ich spiele drei Mal pro Woche Tischtennis. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen. Es ist alles wie eine große Familie.“

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