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Großer Kampf, bittere Bilanz
Tischtennisdamen des MTV Tostedt verlieren Relegationskrimi und steigen in die 3. Bundesliga ab
Tostedt

| TTVN

©Ralf Koenecke

Klänge des Billy-Idol-Songs „Bitter Taste“ im Hintergrund läuteten stimmungsvoll das Spiel der Spiele für die Tischtennis-Damen des MTV Tostedt ein. Während MTV-Teamchef Michael Bannehr die Aufstellung der beiden Teams verlas, machten die Unbeteiligten auf der Tribüne sich durch Applaus dazwischen schon mal warm.

In allen Ligen fanden am 9. und 10. Mai 2026 die Relegationsspiele um den Auf- oder Abstieg statt. Beim Entscheidungsmatch um den Verbleib in der 2. Bundesliga der Frauen verriet der Blick auf die TTR-Werte der jeweiligen Spielerinnen die vermeintlichen Favoriten in diesem Teamvergleich. Die Gäste-Damen vom TTC 1946 Weinheim II, bei denen Rang zwei am Saisonende in der 3. Bundesliga -Süd zu Buche stand, waren in jedem personellen Vergleich besser.

Engagierte Tostedterinnen starteten entschlossen. Dramatische Momente prägten den Beginn und ließen das Tischtennis-Herz auf der Tribüne am obersten Limit schlagen.

Mikalauskyte/Meyer gingen im ersten Satz gegen Sadikovic/Schütt mit 1:0 in Führung und gewannen in diesem Durchgang nur noch zwei Ballwechsel. Nach dem Satzausgleich schmolz der deutliche Vorsprung im Folgesatz auf 9:7. Nach dem Tostedt-Time-Out sorgte ein Netzroller zum 9:10 führ den ersten Matchball, der ebenso liegenblieb wie der Satzball zum 11:10 für den MTV. Weinheim siegte im ersten Doppel mit 13:11.

Matches voller Emotionen und Wendungen

Sportliche Kabinettstückchen mit extremen Spielwendungen am Nebentisch ließ die Tribüne zittern und am Ende jubeln. Wiltschkova/Gottschlich (im Bild zu sehen) glichen den 1:2-Satzrückstand gegen Trigolos/Nguyen aus. Bei 0:3 im fünften zog das MTV-Duo die Auszeit, die danach mit 0:4 die nächsten Zwischenstand erreichte. Bei Seitenwechsel führte Tostedt mit 5:4 und als Dominika Wiltschkova beim Matchball zum 11:7 den offensiven Vorhandball diagonal voll draufhaute, war der Gesamtausgleich perfekt und ein Lächeln durchzog die Arena an der Poststraße.

Intensive Ballwechsel auch in den Einzeln. Unbeeindruckt vom Verlust des ersten Satzes, powerte Dominika Wiltschkova bis zum Ende des vierten Satzes durch: Bei ihrem forschen Matchball landete der anschließende Return von Bao Chau Elisa Nguyen über der Grundlinie und Team Tostedt führte zum ersten Mal.

Nach der ersten Einzelrunde war alles offen

Lena Gottschlich erkämpfte den ersten Durchgang im parallellaufenden Einzel mit 11:9. Doch im zweiten Satz stellte Daria Trigolos ihr Spiel um. Langsamere Bälle erreichten nun die Gottschlich-Tischhälfte und die junge Tostedterin beförderte so öfter die Kugel ins Netz. Ein 0:7-Rückstand im 3. Satz, der 8:11 gegen Gottschlich endete, zementierte ihr eindrucksvolles Kämpferherz. Doch die Partie ging dennoch verloren. Marija Mikalauskyte legte wieder vor zur 3:2-Tostedt-Führung. Gegen Isabelle Schütt kam die mit der Rückhand angreifende Noppenspielerin nur im zweiten Satz nach 3:1-Vorsprung und dann 3:5 kurz raus. Beim Matchball flog der Schütt-Return ins Netz. Enisa Sadikovic holte im letzten Match der ersten Einzelrunde gegen Elisa Meyer den Punkt zum 3:3-Gesamtausgleich und alles war wieder völlig offen.

Bestimmte Momente trugen vielleicht auch zum Spielausgang bei: Nach Dominika Wiltschkovas 1:2-Satzrückstand gegen Daria Trigolos schien bei 7:10 im vierten der Deckel schon drauf zu sein. Doch sie verkürzte auf 9:10. Ein dann in die Box fliegender Ball verzögerte das Spiel. Die Weinheimerin streckte die Unterbrechung mit der Auszeit dann weiter. Einen Ballwechsel später war das Einzel entschieden. Die Partie am Nebentisch zeigte auch die sportliche Entwicklung von Lena Gottschlich in den vergangenen Monaten. Gegen die ungeschlagene Bundesranglistensiegerin der Mädchen 19, Bao Chau Elisa Nguyen, unterlag Lena im Februar mit 0:3 Sätzen. Jetzt hieß es 0:2 und 8:10 im dritten Durchgang. Doch sie wehrte beide Matchbälle ab, gewann mit 12:10 während sich die Zuschauer von ihren Plätzen erhoben und die Handflächen zum Glühen brachten. Im Entscheidungssatz lag Gottschlich bei Seitenwechsel mit 5:4 vorn, auch bei ihrer 7:5-Führung und der Auszeit der Weinheimerin, blieb sie in der Spur und gewann mit 11:5.

Der entscheidende Moment: Spiel auf Messers Schneide

Zu den jetzt 4:4 Punkten gesellten sich 16:17 Sätze und 292:294 Bälle aus Tostedt-Sicht. Das Spitz-auf-Knopf-Match ging jetzt in die entscheidende Phase: Marija Mikalauskyte legte nochmal alles rein in ihr Einzel gegen Enisa Sadikovic, doch sie unterlag mit 1:3. Um 20:21 Uhr am Sonnabendabend war der Abstieg besiegelt. Auch wenn Elisa Meyer das letzte Match gewonnen hätte, wären die MTV-Damen nach Sätzen abgestiegen. So hieß es 4:6 aus Tostedt-Sicht. Sie haben alles reingehauen, was möglich war. Drei der vier Weinheimerinnen waren während der Rückrunde auch in der 1. Bundesliga bei ihrer ersten Damen-Mannschaft im Einsatz. Vielleicht sind solche Erfahrungen der Unterschied in einem solchen Spiel. Michael Bannehr fand entspannte Schlussworte: „In der nächsten Saison sind wir in einer Liga tiefer wieder hier – Wir danken Euch für Eure Unterstützung“.

-Ralf Koenecke-

 

 

 

 

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