Wettkampfsport
Das Wunderdorf aus dem Süden, Erfolg mit Penholer-Griff und das fehlende Protein-Frühstück - oder: Wenn den Kleinsten die große Bühne gehört
43. Bundesfinale der mini-Meisterschaften: Siege nach Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - Teilnehmende aus Niedersachsen allesamt in den Top 10
| TTVN | Stephan Hartung
Es war die mittlerweile 43. Auflage dieser großen Breitensportveranstaltung des Deutschen Tischtennis Bundes (DTTB) - und wieder gab es am Ende zwei strahlende Gesichter, auch wenn natürlich alle 36 teilnehmenden Kinder Gewinner waren: Das Bundesfinale der mini-Meisterschaft fand am vergangenen Wochenende im Verbandsgebiet des Tischtennis-Verbands Niedersachsen (TTVN) statt. Ausrichter war die SG Misburg aus Hannover. Die neuen mini-Meister heißen Zsofia Nagy (Baden-Württemberg) und Kayra Sen (Nordrhein-Westfalen). In und auch an der großen Sporthalle an der Ludwig-Jahn-Straße in Hannover ist von Freitag bis Montag viel passiert. Die TTVN-Redaktion war dabei und fasst die acht wichtigsten Fakten zusammen - mit Resultaten, Ereignissen und Geschichten.
Das Rahmenprogramm: Bis zum Freitagabend waren die 18 Mädchen und 18 Jungen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Das Turnier selbst begann aber erst am frühen Samstagnachmittag. Zuvor gab es für die jungen Spielerinnen und Spieler noch viel zu erleben. Am Freitagabend leitete Frank Schönemeier (Bundestrainer 15/19 männlich) eine Trainingseinheit. Zu diesem Zeitpunkt war draußen vor der Halle schon längst der Grill angeworfen, später gab es für die jungen Teilnehmenden dann das verdiente Abendessen. Am Samstagvormittag kümmerte sich die weibliche A-Jugend aus der Handballabteilung der SG Misburg um die Minis und absolvierte mit ihnen einen sportlichen Parcours.
Das Orga-Team: Er hatte alle Hände voll zu tun, vor allem im Vorfeld der Veranstaltung, und ließ sich dabei und auch während des Turniers nicht aus der Ruhe bringen: Tobias Bevern leitete das Organisationsteam der SG Misburg. Insgesamt 25 Helferinnen und Helfer waren im Einsatz und sorgten für einen reibungslosen Ablauf dieser DTTB-Veranstaltung. „Das Telefon steht nicht still - aber wir haben das alle zusammen gut hinbekommen“, sagte Bevern und lachte. Am Schlusstag erhielt er während der Siegerehrung ein kleines Geschenk von Erwin Daniel, DTTB-Ressortleiter Breitensport - ein skulpturähnliches Kunstwerk aus angemalten Tischtennis-Bällen.
Das Omen: Bei der kleinen Eröffnungsfeier zum Beginn des Turniers stellte sich auch das Team der Johanniter vor - mit dem Hinweis, dass man am liebsten gar nicht gebraucht werde. Ohnehin gilt Tischtennis als eine Sportart, in der Verletzungen ziemlich selten vorkommen. Doch schon in der ersten Spielrunde und direkt nach dem ersten Satz mussten die Rettungshelfer eingreifen. Yan Marian (Rheinhessen) schien sich an der Hand verletzt zu haben, klagte aber über Bauchschmerzen. Das Johanniter-Duo schaffte es, den Jungen zu beruhigen, sodass dieser sein Match gegen Tom Gödert (Saarland) noch beendete. Nach seinem zweiten Spiel musste Yan jedoch das Turnier aufgeben.
Der Doppelpack: Langenburg in Baden-Württemberg - schonmal gehört? Nein? Das muss sich ändern! Die kleinste Stadt dieses Bundeslands befindet sich in deren Nordosten - und trotz nur 1800 Einwohnern kamen von hier mit Zsofia Nagy und Louis Weckler gleich zwei Teilnehmende des mini-Bundesfinals. „Louis und Zsofia haben damals beide im Schnupperkurs beim FC Langenburg angefangen“, erzählt Annbritt Weckler. Die Mutter des Achtjährigen fieberte, wie der weitere familiäre Anhänge der beiden Kinder, von der Tribüne aus mit. Und das Daumendrücken war erfolgreich: Zsofia gewann das Bundesfinale der Minis nach einem Finalsieg in fünf Sätzen gegen Raysa-Maria Andrei (Hessen). Darüber wird bestimmt das Hohenloher Tagblatt berichten. Die Tageszeitung aus dem Landkreis Schwäbisch Hall versorgte schon im Vorfeld des Turniers seine Leserinnen und Leser mit der Geschichte, dass zwei Kinder aus Langenburg den Sprung zum mini-Bundesfinale geschafft hatten.
Die Niedersachsen: Mit Ronja Jasmin Wilk (Hannover), Kate Miller (Wulfsen) und Jonathan Wochnik (Wolfenbüttel) waren drei Teilnehmende aus dem TTVN-Gebiet dabei. Kate wusste auch genau, warum sie sich überhaupt für das Bundesfinale qualifiziert hatte - nach ihrem Sieg beim Landesentscheid im Mai in Hannover. „Mama hatte mir ein proteinreiches Frühstück gemacht“, berichtet die Elfjährige. Und jetzt beim Bundesfinale? „Da ging das nicht, wir waren im Hotel.“ Aber offenbar gab in der Unterkunft für die Spielerinnen und Spieler auch gut zu essen: Am Ende schloss Kate auf dem siebten Platz ab. Noch besser war Ronja, die als Vierte nur knapp das Treppchen verpasste. Eine gute Platzierung schaffte auch Jonathan, der Rang 6 belegte.
Die Penholderin: Ungewöhnlich in diesem Alter, aber natürlich erlaubt und zugleich erfolgreich: Alexandra Beer hielt ihren Schläger nicht in der üblichen Shakehand-Haltung, sondern in der traditionell asiatischen Form. Dass sie damit umgehen kann, zeigte sie eindrucksvoll. Das Mädchen aus dem sächsischen Bautzen belegte in der Endabrechnung den achten Platz.
Das Nesthäkchen: Minis sind sie natürlich alle gewesen im Teilnehmerfeld - wegen des Wettbewerb-Namens und weil es eben alles Kinder sind. Dennoch: Die Frage nach der jüngsten Person im Teilnehmerfeld ist und bleibt immer besonders interessant. Und in dieser Hinsicht ragte Yihan Sisi Liu heraus. Die Bremerin wird am 30. August 2026 gerade mal acht Jahre alt. Bei der Siegerehrung durfte sie als Erste auf die Bühne - weil sie Rang 18 belegte und die Platzierungen in umgekehrter Reihenfolge vorgetragen wurde.
Der Showkampf: Und sogar nach noch dem Ende des Turniers gab es ein Rahmenprogramm. Martin Allegro, Bundesliga-Spieler aus Grenzau, und die deutsche Para-Meisterin Marlene Reeg zeigten einen Showkampf - auch gemeinsam im Doppel mit den in vorherigen Finalspielen siegreichen Zsofia und Kayra an ihren Seiten. Kayra hatte sein Endspiel gegen Arian Bengel (Berlin) mit 3:1 gewonnen. Und einen Riesenrundlauf mit den beiden Stars gab es im Anschluss dann auch noch - ehe die Siegerehrung begann und die allgemeine Abfahrt angesetzt war.
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