Elfjährige Kate Miller wirbelt die Tischtennis-Szene auf
Wulfsenerin schreibt mit Einzug ins Bundesfinale der Minimeisterschaften im Tischtennis Geschichte
Wulfsen
| TTVN | Ralf Koenecke
Der Griff zum Tischtennis-Schläger war ein spontaner. Als Kate Miller (im Bild zu sehen) mit ihrer Familie vor rund zwei Jahren einen Italien-Urlaub verbrachte, hatte sie aber schon Erfahrung mit einem viel größerem Spielgerät. Denn da war sie schon beim Tennis im Einsatz. Das dieser Ferienspaß der Start zu einem Eintrag in die Historie des Tischtennis Kreisverbandes (TTKV) Harburg Land führen würde, war damals natürlich nicht absehbar. Die jetzt elfjährige schaffte am 3. Mai 2026 etwas, das vor ihr keinem anderen Mädchen im Landkreis Harburg gelang – den Einzug in das Bundesfinale der Tischtennis-Minimeisterschaften. Nur einem männlichen Landkreis-Starter gelang dies überhaupt erst. Als der Nachwuchsförderwettbewerb erstmals in der Saison 1983/1984 ausgespielt wurde, schaffte der Buchholzer Kay-Andrew Greil den Sprung zur Entscheidung auf Bundesebene und gewann diesen am Ende auch. Der weitere sportliche Werdegang des Ausnahme-Akteurs ist (Tischtennis)-Geschichte. Mit TTC Zugbrücke Grenzau wurde Greil auch Deutscher Meister.
Für Kate Miller endete der erste Minimeisterschafts-Anlauf, in der Spielzeit 2024/2025 beim Kreisentscheid mit dem 2. Platz. Das Folgeturnier, den Bezirksentscheid, verpasste sie damit knapp. Da sie bisher für keinem Verein eine Spielberechtigung hatte, oder eine solche entsprechend auch nicht beantragt wurde, ging es in dieser Saison erneut in diesem Wettbewerb für sie los.
Der Weg zum Bundesfinale
Beim Ortsentscheid in Holm-Seppensen war sie die einzige Starterin in ihrer Altersklasse 2 (Jahrgänge 2015 und 2016). So mischte sie bei den Jungen mit und erzielte dort eine Bilanz von 3:2 Spielen. Beim Kreisentscheid, Anfang März 2026 im Sportzentrum Seevetal vom TuS Fleestedt ausgerichtet, ging es in einer Gruppe zu acht im Modus jeder gegen jeden an die Tische. Bei einer Zwei-Gewinn-Satz-Regel blieb ihre Spielweste blütenweiß bei 7:0 Partien und 14:0 Sätzen. Fast identisch verlief ihr sportliches Auftreten beim Bezirksfinale in Grasberg (Kreis Osterholz). Von den sieben Einzel gewann sie alle. Bei 22 gespielten Sätzen, blieb nur einer liegen. Damit erreichte sie den Verbandsentscheid, am 3. Mai 2026 in Hannover von der SG Misburg ausgerichtet. Eine starke Konkurrenz erwartete Kate. Dreimal Training die Woche zahlten sich am Ende aus. Während sich Arne Böttcher in Salzhausen um sie kümmert, sind beim TSV Auetal Stefanie Martin und Stefan Brink ihre intensiven Trainingsbegleiter. Hinzu kommt ihr unbändiger Wille, ihr variables Spiel und ein unbekümmertes, unerschrockenes Auftreten: „Ich bin da, um zu gewinnen…“. Während der Gruppenphase blieb erneut nichts liegen. Weder Marie Hoffmann aus Jever, Lotta Fengewisch aus Adelebsen, 15 Kilometer westlich vom Göttingen gelegen oder Lucia Mengelkoch aus Worpswede konnten ihr einen Satz abknöpfen. Erst im Halbfinale wurde es richtig eng, während Vater Daniel aus der Ferne mitfieberte, musste Kate allein die Finalweichen stellen. Denn coachen, egal wer, blieb untersagt.
Nach Spielumstellung im Halbfinale im Endspiel
Nachdem der erste Satz, durchzogen von Sicherheitsbällen mit Unterschnitt, gegen Lina Limburg aus Einbeck aus dem südniedersächsischen Landkreis Northeim knapp mit 10:12 verloren ging, stellte sie auf Offensive mit der Vorhand um. Mit 11:9, 11:8, 11:9 gewann sie die anschließenden drei Durchgänge und schaffte den Finaleinzug. Gegen die Hannoveranerin Ronja Wilk hieß es am Ende für Kate 11:7, 11:5, 14:12. Das Finale ihrer Altersklasse hatte sie gewonnen, die Qualifikation für das Bundesfinale aber noch nicht: Da nur ein Mädchen und auch nur ein Junge das Deutschland-Finale erreichten, ging es zum Abschluss des Turniers in sognannte Superfinale. Das Match gegen die Siegerin der jüngsten Teilnehmerinnen (Jahrgang 2017 und jünger) stand noch bevor. Gegen Katja Kolesnychenko aus Ihlenworth (Kreis Osterholz) blieb gerade der dritte Satz verbissen. Doch auch den gewann Kate schließlich. 15:13 hieß es für sie am Ende, das Bundesfinale war geschafft und der historische Moment perfekt.
-Ralf Koenecke-
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