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"Das war einmalig. Schön, dass ich das erleben dufte."

Hans Nolte wurde Weltmeister in der Altersklasse Ü90 - ein Gespräch über ein sensationelles Erlebnis für den Senior

| TTVN

Am Flughafen wurde Hans Nolte gbührend in Empfang genommen ©SV Kirchweyhe

Es ist schon rund zwei Monate her, dass Hans Nolte der ganz große Erfolg gelang: Weltmeister! Nolte gewann Anfang Juni diesen Titel bei der Weltmeisterschaft in Gangneung (Südkorea) - in seiner Altersklasse Ü90. Längst ist es für den 90-Jährigen etwas ruhiger geworden, auch der Presserummel und die Medienanfragen haben nachgelassen. „In der letzten Woche war mal gar nichts“, sagt der Senior, der im Weyher Ortsteil Kirchweyhe im Landkreis Diepholz lebt. Mit der Redaktion des Tischtennis-Verbands Niedersachsen (TTVN) blickte Nolte zurück und voraus und sprach über…

…den großen Erfolg: „Das war einmalig. Schön, dass ich das erleben dufte. Ich bin gesund und mache das, weil mir Spaß macht. Bei der WM war das auch toll und groß organisiert. Vor der Bühne, wo die Siegerehrung war, waren zwei große Kameras aufgebaut. Bei der Siegerehrung haben mich dann meine Gefühle überrannt.“ Bei seinem Verbandstag Mitte Juni zeigte der TTVN seinen Delegierten ein kurzes Video. Darauf ist zu sehen, wie Nolte nach ganz oben aufs Treppchen steigt, seine Brille von der Nase nimmt und sich die Tränen aus den Augen wischt. Das Video ist hier zu sehen ab Minute 13:22.

…die Anreise: „Ich war selbst überrascht, wie gut ich das durchgehalten habe. Der Reisestress hielt sich in Grenzen. Von Bremen ging es über Istanbul nach Südkorea. Das Flugzeug hatte neun Sitzen pro Reihe, so etwas habe ich noch nie gesehen. Wenn ich aufstehen musste, weil jemand auf Toilette musste, habe ich das immer genutzt und habe mir auf dem Gang die Füße vertreten.“ Im Grundsatz flog Nolte alleine, mit dabei waren aber auch sein Doppelpartner Horst Hedrich, mit dem er Vizeweltmeister wurde, sowie weitere Teilnehmer aus Deutschland aus anderen Altersklassen. Die Finanzierung lief aus eigener Tasche, die Gemeinde Weyhe als auch der Verein leisteten kleine Unterstützungen.

…den Glücksbringer: Nach der Anmeldung in Gangneung erhielt Hans Nolte seine Startnummer. Es war die 1935. „Erst als ich die Startnummer in meinem Zimmer am Trikot festgemacht hatte, war mir aufgefallen, dass es sich ja dabei um mein Geburtsjahr handelt. Darüber habe ich mich gefreut und daraus positive Gedanken gezogen - und das als Glücksbringer empfunden.“ Insgesamt waren 2517 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den unterschiedlichsten Altersklassen bei der Senioren-Weltmeisterschaft dabei, darunter 300 aus Deutschland.

…das Turnier: In seiner Altersklasse waren insgesamt 17 Spieler vertreten. „Es sind alles Menschen ab 90 Jahren. Da gibt es nicht mehr so viele. Und aus Europa schaffen es manche nicht mehr nach Südkorea. Es waren viele Asiaten dabei. Aber ich habe mir gedacht: Ich bin Europameister, also habe ich ein Anrecht, dort mitzuspielen.“ Hans Nolte wurde 2025 in Novi Sad (Serbien) Europameister im Einzel und Doppel im Einzel Herren Ü90. Damit hält er derzeit den kontinentalen und weltweiten Titel in seiner Altersklasse.

…die Atmosphäre: Gefühlt hatte Nolte, der inklusive des Endspiels mehrere Chinesen besiegte, ein Auswärtsspiel. „Bei den Chinesen waren Kinder und Enkelinder mit. Die standen an den Banden, haben fleißig für Papa und Opa angefeuert.“ Doch die deutsche Delegation ließ sich nicht lumpen. Es entstand eine Art Hans-Nolte-Fanclub. „Auch ich hatte Sympathisanten. Die haben gut dagegengehalten. Ich habe mich nie allein gefühlt.“ Zu den Unterstützern zählten die anderen deutschen Spielerinnen und Spieler, die entweder schon ausgeschieden oder gerade nicht im Einsatz waren. Besonders betonen möchte er das Anfeuern durch „meine Salzgitter-Mädels“ Beate Koch, Joanna Jerominek und Danuta Brennecke. „Sie haben wie Cheerleader agiert, hatten auch solche Püschel in den Händen.“ Auf dem erwähnten Video ist auch zu sehen, wie das Frauen-Trio direkt nach der Siegerehrung Nolte um den Hals fällt und mit ihm eine große Jubeltraube bildet.

…seinen Spielstil: „Mit der Vorhand greife ich an - das ist aber kein schulmäßiger Topspin. Auf der Rückhand habe ich eine lange Noppe. Ich gucke mir oft Spiele bei Werder Bremen an, da kann ich noch etwas lernen, wie die das machen. Wenn man das übt, bekommt man das hin. Die Chinesen können nicht so gut gegen lange Noppen spielen. Im Halbfinale hatte mein Gegner aber keine Probleme, da habe ich meine Taktik umgestellt und ihn vom Tisch weg und auf Distanz bekommen. Die Chinesen sind nämlich gern am Tisch. Und dann habe ich ihn geputzt.“

…die Zeit nach Turnierende: Nolte blieb noch einige Tage länger in Südkorea, machte einen kleinen Urlaub. Als Souvenir kaufte er sich eine kleine Glocke, Glocken sind im Buddhismus sehr verbreitet und heilige Gegenstände. „Die Glocke hängt bei mir jetzt zu Hause im Eingangsbereich. Immer wenn jemand daran läutet, denke ich zurück an die Weltmeisterschaft und freue mich.“

…die Medienanfragen: Zeitungen wie Süddeutsche Zeitung, Fernsehen wie das ZDF oder Magazine wie der Spiegel sowie Online-Medien - vor und nach der Weltmeisterschaft war bei Hans Nolte viel los. Der Journalist Henning Rütten (NDR) begleitete Nolte sogar während des gesamten Turniers, filmte den späteren Weltmeister auch beim Training sowie im heimischen Garten. „Er hat sogar eine Drohne über mein Haus fliegen lassen. In Südkorea haben wir auch gemeinsam Unternehmungen gemacht, beispielsweise die Hauptstadt Südkorea besucht. Im September soll der Film beim NDR laufen, wir kennen aber noch nicht den Sendetermin.“

…die Empfänge: Am Flughafen in Bremen wartete eine Abordnung seines Heimatvereins SV Kirchweyhe - mit einem großen Plakat inklusive Gruß für den neuen Weltmeister. „Das hatte mich sehr gerührt, das war einmalig schön mit meinen ganzen Tischtennis-Kameraden“, sagt er. Das gilt auch für den Empfang mit mehr als 50 Personen inklusive Bürgermeister-Präsenz in der Sporthalle bei der SV Kirchweyhe, als es sogar Live-Musik gab. Bei der SVK spielt übrigens auch ein Ehepaar mit chinesischen Wurzeln. „Sie müssen mir mal helfen als Dolmetscher. Ein Chinese hatte mir seinen Schläger geschenkt und dort etwas drauf geschrieben - jedoch auf Chinesisch, Englisch konnte da niemand. Aber sie sind alle höflich und bücken sich.“

…seine Gesundheit: „Wenn man fit bleiben will, muss man trainieren. Ich mache auch Rehasport, außerdem viele Dehnübungen.“ Christian Timmermann, stellvertretender Spartenleiter Tischtennis beim SVK, berichtet vom Trainingsfleiß des Weltmeisters. „An unseren Trainingsabenden ist er von 19 bis 22 Uhr da. Es wird aktiv Einzel gespielt, am Ende noch Doppel zum Spaß und Ausklang.“

…den Ausblick: Die Europameisterschaften finden 2027 in Riga statt, die Weltmeisterschaften 2028 in Istanbul - jeweils mit Hans Nolte als Titelverteidiger. „Ach, wissen Sie, ich bin 90 Jahre alt, rechne nur von Monat zu Monat. Ich halte mich fit. Wenn ich es schaffe, dann spiele ich mit.“

…die nächsten Matches: Nolte wird im November 91 Jahre, auch in der Saison 2026/2027 bestreitet er weiterhin Punktspiele. In der Kreisliga geht er für die 5. Herren des SVK an die Tische. Dort kommt es am 6. September zum kuriosen Derby: 5. Herren gegen 7. Herren der SV Kirchweyhe, Nolte wird im Einzel auf Timmermann treffen. „Wir kennen uns seit 1972. Er ist mein Freund, mit ein bisschen Spaß bezeichne ich ihn auch gern als meinen Manager. Wir kennen gegenseitig unsere Stärken und Schwächen.“ Vielleicht wird das Match ja für Nolte noch schwerer als das WM-Finale.

 

Zur Person: Das ist Hans Nolte

Hans Nolte wurde 1935 in Nienburg geboren, wuchs in Sulingen auf. Dort kam er nach dem Krieg mit Tischtennis in Berührung, ein junger Soldat aus der Nachbarschaft konnte das ganz gut. „Wir hatten selbst geschnittene Holzschläger, haben uns Kork drauf geklebt.“ Nach Abschluss seiner Schulzeit ging er ins Ruhrgebiet und wurde Bergmann. In den 60er Jahren wechselte Nolte nach Bremen, absolvierte eine mittlere Beamtenlaufbahn bei der Post. 1972 zog er nach Kirchweyhe, trat in den SV Kirchweyhe ein. Bis heute hat er unzählig viele Titel gesammelt auf den Ebenen von Land, Norddeutschland und Bund. Nun kamen der Gewinn von Europa- und vor allem Weltmeisterschaft hinzu.

 

Zu Besuch in der heimischen Turnhalle. Mit im Gepäck seine Medaillen ©SV Kirchweyhe

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